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Don Carlos 

Don Carlos

Dienstag, 9. Oktober 2012, 1930 Uhr

Don Carlos, Schauspiel
Ein dramatisches Gedicht von Friedrich Schiller
Eine Aufführung des Theaters Biel Solothurn
Inszenierung Katharina Rupp
Bühne und Kostüme Karin Fritz

In Schillers Don Carlos geraten Vater und Sohn, Mann und Frau, Sohn und Mutter, Freund und Freund aneinander, durcheinander – verstrickt in ein Geflecht aus Politischem, Familiärem, Idealistischem und Egoistischem. Das Drama des jungen Don Carlos ist, dass er seine Stiefmutter liebt, die einst seine Braut war, jetzt seines Vaters Frau ist. Das Drama seines Vaters, Philipp II., gründet im Wesen seiner Allmacht: Als Herrscher ist er allein. Tagtäglich spürt er die Einsamkeit. Die ihn beraten, könnten ihn verraten, die ihn lieben, könnten ihn betrügen. Der König braucht dringend «einen Menschen» und glaubt, einen solchen im Marquis Posa gefunden zu haben. Posas Drama wiederum ist, dass er «nicht Fürstendiener sein kann». Denn Don Carlos’ bester Freund vertritt eine höhere Idee, die Idee von Freiheit und Gleichheit. Aber auch Eitelkeit, Ehrgeiz und Stolz sind ihm nicht fremd. Es ist es schliesslich, der eine aufwändige Intrige inszeniert, an deren Ende seiner Idee, seinem Ideal der Freiheit zum Sieg verholfen werden soll. Stattdessen jedoch kostet sie ihn und Carlos das Leben.

Die erste Arbeitsphase Schillers am Don Carlos dauerte von Ende März bis Mitte April 1783. Am 1. September 1783 wurde Schiller als Theaterdichter in Mannheim angestellt, ein Jahr später nahm er die Arbeit am Don Carlos wieder auf. Nach mehreren Überarbeitungen wurde die Tragödie 1787 in Hamburg uraufgeführt.

Das sich am klassischen Drama orientierende Stück ist in einer fünfhebigen reimlosen Jambenform geschrieben, die Einheit des Ortes (mindestes zwei Orte) und der Zeit (5 Tage) hat Schiller weiter als üblich gefasst, mit der Einheit der Handlung und dem Aufbau orientiert er sich eindeutig am klassischen Drama.

Das Stück spielt in der Anfangszeit des Achzigjährigen Krieges (1568–1648), in dem die niederländischen Provinzen ihre Unabhängigkeit von Spanien erkämpften. Es behandelt vordergründig politisch-gesellschaftliche Konflikte und familiär-soziale Intrigen am Hofe von König Philipp II. (1556–1598). Hintergründig wird die Tragödie der um ihre Gewissensfreiheit ringenden Menschheit gezeigt. Stück für Stück verfangen sich Schillers Figuren in den Fallstricken der Verhältnisse. Ist der Traum von der Selbstbefreiung des Individuums letztlich Illusion? Was kommt zum Vorschein, wenn Werte zu Werkzeugen zur Durchsetzung von Zielen werden, wenn der «Terror der Freiheit» regiert?