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Kaiser von Atlantis, Kaiser-MDL-6, L. Guillod, M. Laurenz, C. Séchaye (zvg Orch. des Lumières)    

Böcklin-Sinfonie, Kaiser von Atlantis

Freitag, 6. März 2015, 1930 Uhr

Konzert mit dem Orchestre Musique des Lumières
- Böcklin-Sinfonie von Hans Huber
- Der Kaiser von Atlantis, Kammeroper von Viktor Ullmann

Das Orchester «Musique des Lumières» und Facundo Agudin interessieren sich für die gegenseitige Inspiration unterschiedlicher Künstler und wollen dem Publikum die magischen Kräfte zwischen der Komposition und den plastischen Künsten näher bringen. Huber und Ullmann verbindet die grosse Leidenschaft für Malerei und Symbolik.

2004 gegründet unter dem Namen «Orchestre Symphonique du Jura» hat sich das Sifonfonieorchester schnell zu einem der wichtigsten kulturellen Akteuren der Nordwestschweiz gemausert. Das Orchester tritt regelmässig im gesamten Jura-Bogen auf, von Basel über Belfort bis Neuenburg. 2010 realisierte das Orchester auch seine erste erfolgreiche Deutschland-Tournee. Seit seiner Gründung ist es unter der Leitung von Facundo Agudin. Dieser stammt aus Buenos Aires und hat sich an der Katholischen Universität Argentinies und später an der Schola Cantorum Basiliensis ausbilden lassen. Seit 1996 in der Schweiz, ist er künstlerischer Leiter von Musique des Lumières und der Opernkompanie Opera Obliqua.

Böcklin-Sinfonie:
Hans Huber (1852–1921), einstiger Schüler Carl Reineckes zu Leipzig, seit 1877 in Basel ansässig, seinerzeit in der Schweiz als Nationalkünstler verehrt und in den Nachbarländern als «Führer der Schweizer Komponistenschule» angesehen, komponierte unter anderem neun Sinfonien. Seine zweite Sinfonie e-moll op. 115, bekannt geworden als die «Böcklin-Sinfonie», brachte ihm stürmische Erfolge ein. 1896 war Huber zum Direktor der Basler Musikschule ernannt worden. Im Jahr darauf wurde in Basel eine Ausstellung mit Bildern des berühmten Basler Malers Arnold Böcklin (1827–1901) realisiert, die Huber als Inspiration für das Finale seiner 1897 komponierten Sinfonie e-moll diente. Huber, so populär er damals auch war, wird heute nur selten gespielt. Dies zu Unrecht, seine Musik ist so ergreifend und majestätisch wie die Bilder von Böcklin.

Der Kaiser von Atlantis:
Oper von Viktor Ullmann (1898–1944) in einem Akt, basierend auf einem Libretto von Peter Kien (1919–1944) / konzertante Version. In einer existentiellen Situation entstand die Oper «Der Kaiser von Atlantis» von Viktor Ullmann, der 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde und dort die Kammeroper zwischen 1943 und 1944 komponierte. Sie wurde im KZ sogar einstudiert, eine Aufführung jedoch fand nicht mehr statt. Ullmann – wie auch sein Librettist Peter Kien – wurde am 18. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und sofort ermordet.

Die Handlung spielt im sagenhaften Atlantis. Der Tod und ein Harlekin klagen über die schlechten Zeiten. Da verkündet ein Trommler die neueste Entscheidung des Kaisers Overall: Den totalen Krieg aller gegen alle. Der Tod fühlt sich entehrt und verweigert fortan jeden Dienst: Die Menschen können nicht mehr sterben. Zum Tode Verurteilte bleiben nach ihrer Hinrichtung am Leben, ebenso die Soldaten auf den Schlachtfeldern. Erst als Overall auf die Bedingung des Todes eingeht, mit seinem eigenen Sterben den natürlichen Zustand wieder in sein Recht zu setzen, gibt der Tod seine Verweigerung auf. In einem Epilog beschwören Harlekin, Trommler, ein Soldat und ein junges Mädchen die Würde des individuellen Sterbens.

Die bewegenden Umstände der Geschichte dieses Werkes und seiner Autoren hätten sicher nicht gereicht ein Nachleben zu sichern, wäre das Werk nicht auch immanent von hoher Qualität. Ullmann setzt ein harmonisch reiches und kontrapunktisch geschliffenes Musikidiom ein, das musikalisch verblüffende Verbindungen herstellt zwischen Mahlers Abgründigkeit und Weills Songstil, zwischen Blues, Reichhardts verfremdeten «Schlaflied Schlaf, Kindlein, Schlaf» und der Atonalität der zweiten Wiener Schule. Ullmann hat in dieser Kammeroper die besten Tendenzen der Zeitoper der Zwanziger Jahre bewahrt und besteht damit auch vor dem Hörer, der die Ausnahmesituation der Entstehung nicht kennt.

Musique des Lumières und Facundo Agudin haben in Kooperation mit zahlreichen Partnern die Partitur in einer Neuversion zu neuem Leben erweckt und werden die Oper nach dem Konzert im Podium auf CD einspielen.