Archiv
zeitlich rückwärts- oder vorwärtsblättern

Sieben Todsünden, zvg Fri’bouffes Freiburg, Christoph Schuwey 

Die sieben Todsünden

Donnerstag, 19. September 2013, 1930 Uhr

Ballett-Oper von Kurt Weill – Bertolt Brecht
vorgängig ein Rezital von Weill-Melodien
eine Aufführung von Fri’bouffes Freiburg

Piano und Korrepetitorin: Clémence Hirt
Regie: Christophe Schuwey
Musikalischer Leiter: Marc Leroy-Calatayud
Choreographie und Tanz: Justine Arm
Sopran: Sandrine Droin

Anna, eine junge Frau, gleichzeitig verkörpert durch eine Sängerin und eine Tänzerin, durchquert während sieben Jahren sieben Städte der USA. Dort will sie reich werden, um für sich und ihre Familie ein «Kleines Haus in Louisiana, am Ufer des Mississippi» zu bauen. In jeder Stadt wird sie mit einer Situation konfrontiert, welche die bürgerliche Mentalität in ihrer ganzen Pervertiertheit zum Ausdruck bringt und die jeweils ein Opfer fordert. Glücklicherweise helfen ihr dabei die Sieben Todsünden (die Faulheit, der Stolz, der Zorn, die Völlerei, die Unzucht, die Habsucht und der Neid) immer die richtige Entscheidung zu treffen…

In dieser «albtraumartigen» Ballett-Oper von Kurt Weill und Bertolt Brecht sehen sich die kleinen alltäglichen Kommoditäten einer kleinbürgerlichen Welt durch eine perverse Moralvorstellung bestätigt.
Am 7. Juni 1933 in Paris uraufgeführt, kurz nach der Flucht Kurt Weill’s aus Hitlerdeutschland, in einer Welt voller Faschismen, der Rassenhygiene, dem Triumph der Bedeutungslosigkeit und der Fassade des Glücks bleiben die Todsünden dieses straffen Oeuvres (leider) immer noch erschreckend aktuell.

Spezialisiert auf das Pariser Repertoire der Zwischenkriegszeit reproduziert die junge Freiburger Truppe «Fri’bouffes» dieses selten gespielte Werk. In einer dunklen Szenographie, eingekleidet in ein subtiles Lichtspiel, inszenieren der junge Freiburger Regisseur Christophe Schuwey und die Choreographin und Tänzerin Justine Arm ein bedrohliches Crescendo, das seinen Höhepunkt in der Selbstzerstörung der Anna findet. Am Pult dirigiert der talentierte Marc Leroy-Calatayud das grosse Orchester «Quat’sous».

Im zweiten Teil des Abends offerieren Sandrine Droin (Sopran, Anna) und die Freiburger Pianistin Clémence Hirt ein Rezital von Weill-Melodien aus der Zwischenkriegszeit in einer erfrischenden erneuerten Interpretation. Eine fantastische Gelegenheit, um diese Musik und ihre Texte (neu) zu entdecken, die nichts von ihrer düsteren Verführungskunst verloren haben.